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Bauanleitung für das einrollbare Sonnensegel

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Bauanleitung einrollbares Sonnensegel

Mit dieser Bauanleitung für das einrollbare Sonnensegel zeige ich Schritt für Schritt, wie ich das Projekt fertiggestellt habe!

Um das Konzept umzusetzen, habe ich erst einmal mit der Materialbeschaffung angefangen. Das Komplizierteste – weil individuell angefertigt – waren die beiden Halterungen als Edelstahlstangen an der Hausseite. Sowieso war Edelstahl für alle Metallteile Pflicht. Sieht gut aus und ist sehr witterungsbeständig. Da ich einen Kumpel habe, der „in Metall macht“ habe ich das kurzer Hand mit ihm besprochen und in Auftrag gegeben.

Die Halterungen am Haus

Als Basis für alle Halte-Stangen dient ein Rohr mit 42,4 mm Außen-Durchmesser und 2,5mm Materialstärke. Das ist die dickere Variante. 2mm wird wohl auch reichen und ist auch nochmal deutlich günstiger. In meinem Fall brauchte ich zwei 3,5 m lange Rohre. am unteren Ende offen, am oberen Ende habe ich mir eine massive, runde Edelstahlscheibe (10mm) anschweißen lassen mit vier Bohrungen für die Befestigung an den Holzsparren.

Edelstahlstange mit Anschraubplatte
Edelstahlstange mit Anschraubplatte

Diese habe ich dann mit Edelstahl-Holzschrauben zunächst lose am Holzsparren befestigt, damit ich die Stange ins Lot bringen konnte. Anschließend wurde das Erdloch mit Estrich-Beton gefüllt.

Edelstahlstange montiert am Sparren
Edelstahlstange montiert am Sparren
Edelstahlstange Sonnensegel Loch einbetonieren
Edelstahlstange Sonnensegel Loch einbetonieren

Die Halterungen im Rasen

Zunächst muss die Position ermittelt werden. Da hilft tatsächlich mal der Satz des Pythagoras:

a²+b²=c² – also bei meinem Segel mit 4×5 Meter Kantenlänge: 16+25 = 41. 41 ist c², die Wurzel aus 41 ist die Diagonale c = 6,40 Meter. Erstaunlich, dass man mal was aus der Schule gebrauchen kann… ;-). Zu der Diagonale muss man jetzt noch die Aufhängungen und die Aufrolltechnik, sowie Toleranzen und Federweg hinzurechnen. Die Achsen werden später gespannt, damit das Segel nicht durchhängt; dieser Federweg muss mit addiert werden. Ich habe diesen Federweg bei der Achse, um die das Segel später eingerollt wird, knapp bemessen: Von einem zum anderen Ende muss ich folgende Teile in die Länge mit einplanen: Halterung an der Stange (5cm) -> Wantenspanner (35 – 18 cm) -> Karabiner (8cm) -> Fockroller (8cm) -> Segel (6,40m) -> Wirbel (5cm) -> Karabiner (8cm) -> Halterung an der Stange (5cm) Zusammen also eine Diagonale von ca 7,14 Meter.

Halterung für die Segel-Befestigung an allen vier Stangen
Halterung für die Segel-Befestigung an allen vier Stangen

Die Halterungen sind eigentlich aus der Veranstaltungstechnik für Bühnentraversen. Ich habe mich hier für Global Truss Trussaufnehmer entschieden. Machen einen wertigen, gut verarbeiteten Eindruck und sind aus Edelstahl. Für unter 10 EUR! Mehr in der Materialliste… Um den Unterschied zwischen den Querschnitten zu überbrücken und zu verhindern, dass hier Metall auf Metall montiert wird, habe ich ein Hartgummi zurecht geschnitten und es zwischen Edelstahlstange und Halterung geklemmt. Das hält bombenfest! Die einzelne Halterung ist bis 100 KG zertifiziert.

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Die zweite Achse, also die von den Ecken, die eingerollt werden sollte man großzügiger bemessen. Die Halterungen sind höhenverstellbar, sodass man das Segel dem Stand der Sonne anpassen könnte. Bei einer Änderung der Höhe ändert sich auch die Diagonallänge. Diese Achse hat zusätzlich zu der Diagonalen des Segels (ebenfalls 6,40 Meter) noch zwei Karabiner und ich habe die Entfernung zwischen Stange und Segel mit je ca. 1 Meter bemessen. So komme ich in dieser Diagonalen auf ca 8,40m. Die Besfestigungsstangen sind somit nicht symmetrisch angeordnet, was mich aber nicht wirklich stört.

Für die Fundamente der Stange sollte man sich an die Angaben des Segel-Herstellers halten. Bei mir war ein Beton-Fundament von 40x40x70 cm vorgesehen. Die Stange soll in einem Winkel von 10° vom Segel weggeneigt sein, um optimale Festigkeit zu bekommen. Da ich die Stangen selber nicht fest einbetonieren wollte, habe ich passende Hülsen zurechtschneiden lassen (10° abgeschrägt) á 65cm. Die Hülse muss natürlich einen größeren Durchmesser als das Edelstahlrohr haben. Bei mir fiel die Wahl auf 48,3 x 2mm Konstruktionsrohr V2A. Das Loch für das Fundament ist jetzt zwar nicht groß, aber zum einen schwierig mit dem Spaten zu buddeln (weil schmal) und für Handbetrieb ganz schön tief. Somit habe ich mir einen Erdbohrer geliehen, bzw. habe ich es versucht. Ich habe sämtliche Baumärkte abgeklappert, aber keiner hatte einen Erdbohrer mehr im Angebot. So musste ich wohl oder übel bei einer Leihfirma anfragen, die deutlich teurer waren… Und scheinbar wollten an diesem Wochenende alle Löcher bohren. Mit Glück habe ich dann noch einen bekommen, den ein Kunde viel eher als geplant zurückbrachte.

Loch für Fundament mit Erdbohrer
Loch für Fundament mit Erdbohrer

Nach dem Ausheben der Löcher habe ich die Edelstahlrohre in die Hülsen gesteckt. Die Hülsen habe ich unten mit einer kleinen Plastiktüte verschlossen, damit kein Beton von unten eindringen kann. Um die richtige Neigung zu ermitteln, befestigt man am oberen Ende ein Lot und braucht dann nur die Entfernung von Rohr zum Lot messen: Mit einer Steigungsformel und dem Onlinerechner funktioniert das ganz einfach:

Steigung berechnen
Steigung berechnen
Abbildung: https://rechneronline.de/steigung/

s = Edelstahlrohr (Ab Boden gemessen)
l = Lot
h = Entfernung zwischen Edelstahlrohr und Lot

Das Rohr ist bei mir „überirdisch“ 2 Meter lang. Somit ergibt sich in etwa eine Entfernung von 35 cm.

Lot einfach am Rohr festkleben
Lot einfach am Rohr festkleben
Mit zwei Holzlatten Rohr stützen
Mit zwei Holzlatten Rohr stützen
Rohr mit Lot
Rohr mit Lot
Estrichbeton in Schubkarre vormischen
Estrichbeton in Schubkarre vormischen

Rohre einbetonieren

Um die Position zu fixieren habe ich nach dem Ausmessen das Rohr mit Hilfe von zwei Holzlatten und anschließend mit schnell aushärtendem Beton fixiert. Der zieht bereits nach  drei, vier Minuten an und ist nach zehn Minuten so fest, dass sich an der Position nichts mehr verändert. Für den Rest habe ich Estrichbeton genommen, da dieser erheblich günstiger ist. Für die Menge müsst ihr das Volumen des Loches berechnen. Auf der Verpackung oder vom Personal im Baumarkt erfahrt ihr, wie viel Volumen ein Sack Beton ergibt. Da kommt einiges zusammen! An Menge und vor allem an Gewicht. Ich musste mit meinem Kombi zwei Mal fahren, ansonsten hätten ich nen kostenlosen Tieferlegungssatz bekommen 😉

Den Estrichbeton habe ich in der Schubkarre vorgemischt und dann nach und nach eingefüllt. Die Trocknungszeit sollte man nicht unterschätzen. Laut einem Architekten wurde mir mindestens fünf Tage (!) empfohlen, bevor das Fundament komplett belastet werden sollte. Mein Segel misst in etwa 4×5 Meter. Das sind knapp 20 qm. Da treten bei Wind große Kräfte auf.

Edelstahlrohre vorbereiten

An den beiden gegenüberliegenden Rohren, wo die ausgerollten Enden befestigt werden, müssen Bohrungen für die Klemmen und den Seilzug vorgenommen werden. Das Edelstahlzeug ist verdammt hart! Ich habe vier Bohrer durchgebracht. Dann wieder zum Baumarkt und einen speziellen Bohrer für Edelstahl gekauft – sonst wird das nix! Und ich empfehle dringend eine Wasserkühlung, da sonst der teure Bohrer nach einem Loch stumpf ist. Mit einem Gartenschlauch und einer Zwinge geht das ganz einfach.

Wasserkühlung zum Bohren
Wasserkühlung zum Bohren

Anbauteile montieren

Nach der langwierigen Bohraktion werden die Anbauteile wie Klemmen und Augenschrauben montiert.
Klemme (Segelsport)
Klemme (Segelsport)
Klemme und Augenschraube
Klemme und Augenschraube
Augenschraube zur Befestigung des Schäkels
Augenschraube zur Befestigung des Schäkels

Die Augeschraube dient als Befestigungspunkt des Schäkels, der den unteren Teil des Flaschenzugs bzw. des Niederholers festhält. Den Niederholer habe ich einfach aus zwei Doppel-Blockseilrollen gebaut. Die obere wird mit einer Klemme verbunden, die untere eben mit dem Schäkel.

Niederholer bzw. Flaschenzug
Niederholer bzw. Flaschenzug

Dieses System ist notwendig, um genügend Zug auf das Seil zu bekommen, damit das Segel schön stramm sitzt. Zuletzt müssen noch die Halterungen (Trusshalterung) für die Seilumlenkung montiert werden.

Trusshalterung als Seilumlenkung
Trusshalterung als Seilumlenkung

Takelage

Zunächst habe ich die „Einroll-Achse“ befestigt. Der Wirbel wird an der Hausseite montiert.

Halterung gegenüber mit Wirbel, Karabiner und Halterung
Halterung gegenüber mit Wirbel, Karabiner und Halterung

Wichtig ist das Seil in der Mitte mit einzubauen. Um dieses Seil wird später das Segel eingerollt und es ist zur Stabilisierung des Segels auf der Achse notwendig, damit es nicht durchhängt.

An der gegenüberliegenden Seite wird der Aufrollmechanismus, der Fockroller, befestigt.

Halterung, Wantenspanner, Fockroller, Karabiner
Halterung, Wantenspanner, Fockroller, Karabiner
Halterung, Wantenspanner, Fockroller, Karabiner
Halterung, Wantenspanner, Fockroller, Karabiner

Der Wantenspanner ist nicht unbedingt nötig, da ich nachträglich noch einen Flaschenzug in das lange Achsen-Seil integriert habe um möglichst viel Spannung darauf zu bekommen. Allerdings macht der Spanner das System flexibler und einfacher zu montieren.

An den beiden freien Enden wird zunächst ein Seil zum Spannen befestigt, durch die Umlenkung und den Aero-Cleat geführt. Hier brauchte ich eine Lösung um den Flaschenzug an dem Spannseil zu befestigen. Zudem solle es einfach zu lösen und zu befestigen sein. Der Aero-Cleat ist dafür eine gute Wahl. das eine Ende ist mit dem oberen Teil des Flaschenzugs / bzw. Niederholers befestigt. Durch die Klemme wird das Spannseil geführt und leicht auf Zug gebracht. Dann mit dem Flaschenzug / Niederholer stramm ziehen und auf Spannung bringen.

Aero-Cleat. Befestigung Spannseil am Flaschenzug
Aero-Cleat. Befestigung Spannseil am Flaschenzug
Zu guter letzt wird dann das Zugende des Flaschenzugseils an der Klemme am Edelstahlrohr eingeklemmt.
Sonnensegel zusammengerollt
Sonnensegel zusammengerollt
Bodenhülse für die Edelstahlrohre
Bodenhülse für die Edelstahlrohre

Passende Abdeckkappe gleich mitbestellen, damit kein Dreck oder ähnliches in die Öffnung fällt, wenn die Rohre draußen sind.

Abdeckkappen für die Edelstahlrohre
Abdeckkappen für die Edelstahlrohre

Die Abdeckkappen habe ich mit Sekundenkleber befestigt.

Unsere Terrasse mit Sonnensegel von Westen aus
Unsere Terrasse mit Sonnensegel von Westen aus

Materialliste

5 Gedanken zu „Bauanleitung für das einrollbare Sonnensegel

  1. Hallo,
    das ganze ist sehr interessant. Ich frage mich nur, wie das oder die Seile um das Segel gelegt wurden, damit es sich aufwickeln kann. Wäre es unhöflich nach der Konfiguration der Seiltechnik zu fragen?

  2. Hi Manni,

    Die Seile um die Aufrollachse habe ich nur gespannt, damit das Segel nicht durchhängt. Es lässt sich auch ohne diese Seile aufrollen.

    Grüße
    Stephan

  3. Hallo, super Idee und umgesetzt! Habe selber auch Überlegungen in diese Richtung angestellt, da mit die „fertigen“ aufrollbaren Segel einfach viel zu teuer sind.
    Was mir aus der Anleitung nicht ganz klar wird, was für Handgriffe sind fürs aufrollen bzw. spannen notwendig?
    Beide Spannseile aus den Aero-Cleat aushängen und dann am Fockroller auf- bzw. abrollen? Also Spannseile hängen frei beim Betätigen des Fockrollers!? Funktioniert das gut alleine?

    Danke und viele Grüße
    Marco

  4. Hallo Marco,

    ja, du hast es ganz genau erfasst. Die Spannseile lässt man beim Einrollen lose und rollt dann über den Fockroller ein und fixiert das Seil des Fockrollers. Beim Aufrollen löst man das fixierte Seil des Fockrollers und zieht beide Spannseile auf leichten Zug. Dann werden die Spannseile im Aero-Cleat fixiert (nur reindrücken) und dann wird über den Niederholer/Flaschenzug richtig Spannung drauf gebracht. Ich werde mal im Frühling ein Video online stellen, was den Vorgang erklärt und in der man die Takelage genauer sieht. Das ist in bewegten Bildern einfacher zu erklären, als mit Bildern.

    Grüße!

    Stephan

  5. Hi Stephan,

    das hast du wirklich sehr gut gelöst, jedoch ist es mir nicht ganz klar wie es mit auf- bzw zusammenrollen des Segels funktioniert.

    Kannst du dir vorstellen ein Video dazu aufzunehmen?

    Viele Grüße
    Korhan

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